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Inhaltsverzeichnis

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Debatten entfachen – ein Forum für kritischen Austausch eröffnen
Redaktionskollektiv

Diszipliniert und disziplinierend? Anschlüsse an die Debatte um das Selbstverständnis der Erwachsenenbildungswissenschaft
Hannah Rosenberg

Historische Erwachsenenbildungsforschung: Geprägt von Kontroversität und Ambivalenz
Christine Zeuner

Orte und Formate für Debatten in der Erwachsenenbildung
Carola Iller

sprechen. schweigen. ignorieren. Echokammer-Effekte, Machtmanifestationen und Schweigespiralen in Debattenunkulturen
Daniela Holzer

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Editorial

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Dass wir „wi(e)der streiten“ zum Thema für das erste Heft von Debatte. Beiträge zur Erwachsenenbildung gewählt haben, macht unser Anliegen – das Streiten wiederzubeleben – deutlich. Gleichzeitig verweist es auf die Idee, disziplinäre Entwicklungsbewegungen durch Debatten als ‚widerstreitende Auseinandersetzungen‘ voranzutreiben. Die Ausrichtung einer solch expliziten Positionierung begründet unseren Einsatz und wird im ersten Beitrag der vorliegenden Ausgabe erläutert.

Diesem folgen vier Beiträge, die sich mit Debatten in der Erwachsenenbildungswissenschaft auseinandersetzen und die gerade in der Zusammenstellung unterschiedliche Standpunkte und Perspektiven der Autorinnen aufscheinen lassen:

Hannah Rosenberg sowie Christine Zeuner beschäftigen sich mit der Selbstmarginalisierung der Erwachsenenbildungswissenschaft, die sich vornehmlich an gesellschaftlichen Erwartungen orientiert. Hannah Rosenberg geht auf Grundlage der Ergebnisse einer Diskursanalyse zum Selbstverständnis der Erwachsenenbildungswissenschaft der Frage nach, wie sich die Disziplin Erwachsenenbildung im Spannungsfeld von Wissenschaft, Praxis und Politik zukünftig ausrichten und positionieren kann. Ausgehend von der Feststellung einer problematischen Selbstbeschreibung, Außenorientierung, geringen Autonomie sowie Zirkularität der eigenen Diskurse schlägt Rosenberg vor, sich innerhalb der Disziplin stärker als bisher auf inhaltliche Auseinandersetzungen zu fokussieren, demnach „die übertriebene Selbstkritik abzulegen“ (Rosenberg) und die thematische Zuständigkeit selbst zu bestimmen. Christine Zeuner zeichnet in ihrem Beitrag Diskurse zur historischen Erwachsenenbildungswissenschaft nach und bezieht diese auf aktuelle Debatten. Ziel sei es, die Multiperspektivität des langjährigen Diskurses über die historische Erforschung der Erwachsenenbildung aufzuzeigen und sich gegen eine legitimatorische Instrumentalisierung historischer Erwachsenenbildung im Sinne aktueller Anliegen zu stellen. Es gehe „nicht um Übertragungen aus der Geschichte in die Gegenwart, sondern um die Reflexion und das Verstehen von Entwicklungen“ (Zeuner). Die so ausgebildete historische Kompetenz könne davor schützen, gesellschaftlichen Erwartungen zu erliegen.

Eine andere Perspektive nehmen Carola Iller und Daniela Holzer ein, indem sie ihren Blick auf Positionierungen und Marginalisierungen von Wissenschaftler*innen und Themen in der Disziplin Erwachsenenbildung richten. Carola Iller befasst sich in ihrem Beitrag mit Orten und Formaten von Debatten als widerstreitende Interaktionen von Wissenschaftler*innen in der Erwachsenenbildungswissenschaft. Um damit einhergehende blinde Flecken und unterschwellige Effekte zu identifizieren, zieht sie das Konzept des „Invisibile College“ heran. Produzierte Ungleichheiten im Grad der Etabliertheit von Wissenschaftler*innen und zwischen anglophonen und anderen Sprachregionen würden damit greifbar. Derzeitige Relevanzsetzungen erfolgten zudem nicht nach wissenschaftlichen Kriterien, sondern durch Steuerungsmechanismen, deren Effekte von Wissenschaftler*innen verstärkt würden. Iller plädiert entsprechend dafür, nicht die Einsozialisation in vorgegebene Wissenschaftsstrukturen, sondern einen Austausch zwischen unterschiedlich erfahrenen Wissenschaftler*innen zu befördern, „damit neue Forschungsideen umgesetzt werden können“ (Iller). Daniela Holzer setzt sich mit ähnlichen Fragen in einer herrschafts- und machtanalytischen Perspektive auseinander und attestiert der Erwachsenenbildungs- bzw. insgesamt der Erziehungswissenschaft eine Unkultur des Debattierens. Diese sei unter anderem geprägt durch machtvolle Sprecher*innenpositionen. Debatten seien herrschafts- und machtbezogen und sich ihnen auszusetzen, sei mindestens für marginal positionierte Wissenschaftler*innen ein risikoreiches Unterfangen. Dies würde einer inhaltlichen Auseinandersetzung jedoch entgegenstehen. Gerade die Explikation von Debatten, so Holzer, gebe dem „Publikum durchaus erhellende Möglichkeiten, differenzierte Nuancen klarer nachvollziehen zu können“ (Holzer). Essentiell sei es, Debatten als Teil sozialer Kämpfe im Feld sichtbar zu machen, indem der Schein objektiv-sachlicher, leistungsorientierter Maßstäbe hinterfragt werde.

Debatten – sowohl im Hinblick auf die Selbstbestimmung der Erwachsenenbildungswissenschaft als auch die Positionierungen von Wissenschaftler*innen im Feld der Erwachsenenbildung – zu führen, ist ein Anliegen der Zeitschrift Debatte. Beiträge zur Erwachsenenbildung. Ausgehend von den eingeführten Beiträgen sollen sich über die folgenden Hefte Debatten entfalten, indem zu bisherigen und kommenden Beiträgen zu Kritiken und Repliken eingeladen und aufgefordert wird. Die ersten zwei Ausgaben der Debatte (01/2018 und 01/2019) setzen dafür einen Anfang, gestalten sich jedoch noch ein wenig anders: In der ersten Ausgabe finden sich die aufgeführten Auseinandersetzungen von Autorinnen, die durch das Redaktionskollektiv angefragt wurden. Angekündigt wird im vorliegenden Heft für die kommende Ausgabe zudem der Beitrag Grundzüge einer Genealogie des erwachsenenpädagogischen Blicks von Ulla Klingovsky, der sich dem „in der Regel nicht weiter thematisierten Verständnis von ‚Bildung‘ in der Erwachsenenbildung“ (Klingovsky) in genealogischer Perspektive annähert. Zu Repliken hierzu wird explizit eingeladen (Call for Replies). Dieser Beitrag sowie die darauf bezogenen Repliken erscheinen zusammen mit eingesendeten Repliken zu den in dieser Ausgabe vorliegenden Beiträgen im zweiten Heft der Debatte. Interessierte sind daher ‚aufgerufen‘, auf alle vorgelegten Beiträge dieser Ausgabe Repliken zu formulieren (per E-Mail an debatte@budrich-journals.de, Einsendeschluss 10.01.2019). Mit Blick auf diese Anregungen wünschen wir eine interessante Lektüre und sehen gemeinsamen Debatten mit Freude entgegen!

Ihr Redaktionskollektiv
Farina Wagner, Maria Stimm, Jana Trumann, Maria Kondratjuk, Malte Ebner von Eschenbach, Hannah Rosenberg und Christoph Damm

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